CROSSROADS

CROSSROADS CROSSROADS CROSSROADS CROSSROADS CROSSROADS CROSSROADS CROSSROADS CROSSROADS

Crossroads

Bernadette Schroeger, Objekt

Rebeka Uhlig, Video

Interaktives, multimediales, partizipatorisches Kunstprojekt

Ausschn. Eröffnungsrede Dr. Gertrude Betz

 Die Künstlerinnen dieser Ausstellung kommen aus Berlin und haben sich hier zu einer ersten öffentlichen Zusammenarbeit gefunden. Sie haben sich auf eine Wegekreuzung zubewegt, die Begegnung gesucht und zum Zusammenwirken ihre ganz unterschiedlichen Beiträge im Kunstbalkon gestaltet. Crossroads

…Bernadette Schroeger geht der prozesshaft dargestellten Auslotung der Frage nach, wie Materialien zusammenwirken und Bildsprache neu gefunden werden kann, um den tieferen oder plötzlich entstehenden Zusammenhängen ans Licht zu helfen.

Beiden Künstlerinnen gemeinsam ist die Bewegung im Ungewohnten, die Präsenz in ihrer künstlerischen Arbeit vor dem Betrachter und für ihn. Ihre Werke sind weniger Produkte in unterschiedlichen Medien als Anstöße und Umwertungen für uns. Sie hinterlassen Spuren, ein Nachsinnen, Überraschung und Staunen wenn wir ihnen folgen.

Das Verbindende ist das Thema Kaffee, Kaffeetrinken, die Zubereitung, die dazugehörigen Materialien und Gerätschaften, gesellschaftliche und persönliche Aspekte die diesem Getränk zugewiesen sind…

Rebekka Uhlig bewegt sich mit ihrer Videokamera in Küchen und Büros Kasseler Mitbürger und spricht mit ihnen über die Bedeutung des Getränkes in ihrem Alltag…

Dieses sammeln und Zubereiten für den Film als erster Schritt in dem Kunstprojekt  verknüpft das erworbene Material zu einer Geschichte zum Thema Kaffeetrinken, die wir hier im Kunstbalkon nicht mehr als nur eine Sammlung privater Situationen, Gestaltungen und Ansichten erleben, sondern als ein Werk, das sowohl Verallgemeinbares als auch das uns ansprechende Selbstreflexive spiegelt…

Das sammeln, gestalten, konzentrieren um einer neuen Wahrnehmung, einer verlässlichen Bewertung bei uns ans Licht zu helfen, dieses Vorgehen ist auch Voraussetzung für die Entstehung der Objekte von Bernadette Schroeger. Gesammelt wurden gebrauchte Kaffeefilter, von den im Film Mitwirkenden und vielen anderen. Gesammelt wurden ebenfalls Styropor-Verpackungsformen, Transportgehäuse für Geräte wie Monitoren, Fernseher etc. Wegwerfmaterial, Müll. Und es scheint als sei keine Form ungeeignet, dem kreativen, konsequenten Gestaltungsimpuls zu dienen...

Ein gehängtes Objekt, rätselhaft in Brauntönen und Kreissegmenten changierend wie ein Deckel. Die Aufsicht und die gespiegelte Untersicht verstärken den Eindruck. Edles, auf das feinste geschliffene Holzfurnier vielleicht? Gleichwohl der Deckel kann nicht schwer sein, so wie er an Perlonfäden hängt.

…Bis schließlich in gestanzten, ganz offenkundig seriell produzierten Formen die industrielle Fertigung und die funktionale Bestimmung unleugbar klar sind. Verpackungsmaterial, Transporthülsen und Hohlformen. Abfall „Furniert“ mit gebrauchten Kaffeefiltern, die Tüten aufgefaltet, aufgetragen, sanft im lehmfeuchten Zustand angerieben. So ist etwas ganz und gar Neues geschaffen, eine ästhetische Qualität in der fein differenzeierten Braun-beige Skala der immer wiederkehrenden Form der Kreissegmente. Die besondere Gestalt, Skulptur und Architektur zugleich, trägt diese Umwertung des Rohmaterials in einem derartig überzeugenden kreativen Impuls vor, als eine Werkgruppe, die auf ganz eigene Weise vom Thema Kaffee handelt. Wichtig noch die Inszenierung der Objekte als Intervention im Raum, die sowohl die Balken des Daches als auch die Linien und Positionen mit der Wand und dem Boden diagonal und korrespondierend erfasst. Bis schließlich die parallel gehängten Monitorrahmen als eine Reihe von Durchblicken den Betrachter auf die Videoprojektion von Rebekka Uhlig führt. Das Filmbild als Spiegel direkt gegenüber der gespiegelten Untersicht der ersten Objektes von Bernadette Schroeger,

Dem behutsam verweilenden Blick mit der Kamera von Rebekka Uhlig entspricht die sanfte ausdauernd betriebene Einkleidung der Objekte und obwohl wir mit den Augen im Film und auf den Objekten an eine Oberfläche gebunden sind, wird in beiden Fällen spürbar, das es um eine tiefer liegende gemeinsame Fragestellung geht: das Alltägliche als etwas Besonderes zu entdecken, eine Umwertung und Verwandlung zu eröffnen und unsere bereicherte Wahrnehmung und ein Nachsinnen dem alltäglichen wieder anzutragen. Damit entsteht für den Betrachter und Mitwirkenden auch die Anregung, Verwandlung als einen kleinen Schritt zu begreifen...

« Zurück zur Übersicht

Meine Arbeiten passen zu Ihrer Couch oder in Ihr Rathaus? Schreiben sie mir!